
Hexal feiert 40. Geburtstag, die Gründer feierten am Tag zuvor
1986 von den Brüdern Andreas und Thomas Strüngmann gegründet, gehört Hexal heute zu Sandoz. Zum 40. Firmenjubiläum verweist das Unternehmen auf seine deutschen Produktionsstandorte und die Bedeutung von Generika und Biosimilars für die Arzneimittelversorgung. Für Sandoz gibt es viele Gründe zum Feiern in diesem Jahr, doch auch die Konkurrenz schläft nicht. Das Biosimilar-Geschäft wird global immer stärker umkämpft.
Am Tag vor dem 40. Firmenjubiläum von Hexal ließen sich die Gebrüder Strüngmann auf ganz eigene Art und Weise feiern, ohne selbst zu sehr in den Vordergrund zu treten: bei der Verleihung des Strüngmann-Awards 2026 ging es eher um die Finalisten und Preisträger als um die Milliardäre vom Tegernsee. Wie die beiden zu dem vielen Geld gekommen sind, ist jedoch eine ganz eigene Geschichte, die in einer Zeit begann, in der Pharma weder ein besonders angesehener Sektor war, noch einer, in dem allzuviel Innovatives passierte. Die Biotechnologierevolution zeichnete sich für Visionäre in den USA bereits ab, doch in Deutschland war man mit der Gründung erster Genzentren noch im Stadium, dazu erst weiter (angewandt) forschen zu wollen.
Nicht nur Generika, früher Schwenk zur Biotechnologie
1986 gründeten Andreas und Thomas Strüngmann in Holzkirchen daher auch kein innovatives Biopharmaunternehmen, sondern das Generikaunternehmen Hexal. Ein schnell erreichbarer großer Markt mit Nachahmerprodukten war hier das zuerst gewählte Geschäftsmodell. Vier Jahrzehnte später ist die Marke Teil des weltweit tätigen Generika- und Biosimilar-Konzerns Sandoz. Nach Unternehmensangaben arbeiten heute mehr als 3.400 Menschen an den vier deutschen Standorten Holzkirchen, Barleben, Osterweddingen und Rudolstadt.
Hexal entwickelte sich bereits in den 1990er Jahren zu einem bedeutenden Anbieter von Generika in Deutschland. Man verkürzt die Geschichte jedoch zu sehr, wenn man nicht auch den frühen Schwenk in die Biotechnologie berücksichtigt. Bereits 1998 war den Strüngmann-Brüdern mit der Gründung der Hexal Biotech ForschungsGmbH der Schritt in den Bereich der Biopharmazeutika gelungen. Carsten Brockmeyer wurde Forschungs- und Entwicklungsleiter, und es begann der Wettlauf mit anderen Biosimilar-Pionieren. 2005 wurde das Unternehmen in Sandoz integriert, vermutlich auch wegen der Biosimilarsparte. Denn die Entwicklungsprojekte durften noch eine Weile parallel fortgeführt werden, so dass sowohl Hexal als auch Sandoz 2007 das erste Biosimilar des durch Doping im Sport bekanntgewordenen EPO auf den Markt brachten. Weitere Zulassungen folgten. Die Marke Hexal blieb auch danach erhalten und ist weiterhin im deutschen Arzneimittelmarkt präsent. Seit der Verselbstständigung von Sandoz aus dem Novartis-Konzern im Jahr 2023 stehen Entwicklung, Produktion und Biosimilars stärker im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie.
Produktion und Versorgung
Das Hexal-Jubiläum fällt in eine Phase, in der die pharmazeutische Produktion und die Lieferketten für Arzneimittel politisch stärker in den Fokus rücken. Lieferengpässe, geopolitische Risiken und der internationale Kostendruck stellen insbesondere bei etablierten Arzneimitteln die Frage nach der künftigen Rolle europäischer Produktionsstandorte.
Sandoz verweist in diesem Zusammenhang auf seine deutsche Produktionsbasis. Nach Angaben des Unternehmens wird ein großer Teil der Arzneimittel weiterhin in Deutschland und Europa hergestellt. Die deutschen Standorte sollen damit neben ihrer Funktion für die Arzneimittelversorgung auch zur industriellen Wertschöpfung und zur Stabilität europäischer Lieferketten beitragen.
„Wir stellen nach wie vor einen großen Teil unserer Medikamente in Deutschland und Europa her“, sagte Simon Goeller, Country President von Sandoz in Deutschland. Damit verbinde sich auch künftig die Verantwortung für eine verlässliche Arzneimittelversorgung.
Neben klassischen Generika bilden Biosimilars inzwischen einen zweiten strategischen Schwerpunkt. Sandoz verfügt nach eigenen Angaben aktuell über 13 Biosimilars auf dem deutschen Markt; weitere 39 befinden sich in der Entwicklung. Das Unternehmen sieht in den biologischen Nachfolgeprodukten einen Weg, den Zugang zu zuvor hochpreisigen Biologika zu erweitern und zugleich den Kostendruck im Gesundheitssystem zu begrenzen.
Jubiläumsjahr mit mehreren Anlässen
Für Sandoz ist 2026 ein Jahr mehrerer Unternehmensjubiläen: Neben 40 Jahren Hexal feiert der Konzern 140 Jahre Unternehmensgeschichte, 80 Jahre Antibiotikaproduktion und 20 Jahre Biosimilar-Aktivitäten. Die verschiedenen Jubiläen spiegeln damit sowohl die Geschichte der ursprünglichen Schweizer Sandoz als auch die Entwicklung des heutigen Generika- und Biosimilar-Geschäfts wider.
Das 40-jährige Bestehen von Hexal wurde am Unternehmenssitz in Holzkirchen mit einem Festakt begangen. Unter den Gästen waren unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Gesundheitsministerin Judith Gerlach (alle CSU). Damit wurde zugleich die Bedeutung des Standorts für den bayerischen Gesundheits- und Wirtschaftsstandort herausgestellt.
Sandoz Deutschland erzielte 2025 nach Unternehmensangaben einen Bruttoumsatz von rund 1,9 Mrd. US-Dollar, Sandoz insgesamt 11,1 Mrd. US-Dollar auf Konzernebene. Der deutsche Hauptsitz befindet sich weiterhin in Holzkirchen im Großraum München. Auch dort wird in den Ausbau investiert, die größeren Bauvorhaben, die größeren Investitionen tätigt Sandoz in Europa aber derzeit in Slowenien, wo für Produktion und Entwicklung dreistellig Millionen ausgegeben werden.
Mit dem Jubiläum blickt das Unternehmen damit auf einen Wandel vom eigenständigen deutschen Generikaanbieter zum Bestandteil eines globalen Konzerns zurück. Geblieben ist die Marke Hexal – und mit ihr ein Geschäftsfeld, dessen Bedeutung für die Versorgung mit bezahlbaren Arzneimitteln angesichts steigender Gesundheitsausgaben und anhaltender Diskussionen über resiliente Lieferketten weiter im Mittelpunkt steht. Die einstigen Gründer Strüngmann haben sich nicht nur mit Hexal ein unternehmerisches Denkmal geschaffen, sondern sind längst als aktive Förderer der deutschen Biotechnologie auch an Erfolgsgeschichten von Unternehmen wie BioNTech oder Aicuris beteiligt.

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Christian Back
Novartis